Gedenkseite von Betty

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Betty

„Am Ende des Regenbogens sehen wir uns wieder.“

15.05.201502.04.2026

Veröffentlicht am 06.04.2026 von Nadine M.

Betreut von: ROSENGARTEN-Tierbestattung Filiale Berlin

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Du wurdest 2015 auf Plovdivs Straßen in Bulgarien geboren, wohl als Maikätzchen, aber wer weiß das schon so genau? Deine liebste Melly war ein Herbstkätzchen und das Schicksal brachte euch etwas später auf einer Pflegestelle zusammen. Angeblich wart ihr beide erst etwa einen Monat alt, als ihr in menschliche Obhut kamt – zu jung, um sich an die Grauen der Straße zu erinnern. Bei Melly glaube ich das, sie liebt die Menschen ohne jeden Argwohn. Aber bei dir hatte ich immer meine Zweifel. Zu klug und zu vorsichtig warst du, bis zuletzt, zu lange hat es gedauert, bis du auch zu Männern vertrauen gefasst hast, zu groß war deine Angst vor alltäglichen Dingen wie Plastiktüten – und eine verdächtige Kerbe am Ohr hattest du auch. Und so hast du, mit dem Wissen der Straße, deine arglose Melly immer beschützt. Eure Liebe zueinander blieb nicht unbemerkt und so kamt ihr gemeinsam zu mir am 14. Mai 2017, einen Tag vor deinem vermuteten Geburtstag. Ich traf euch zum ersten Mal auf einem Rastplatz bei Michendorf nach zwei Tagen Fahrt aus Bulgarien. Ganz still wart ihr und erschöpft und du auch ein bisschen schmutzig (Melly wäre lieber geplatzt, als unter sich zu machen und hatte zwei Tage lang eingehalten). Im neuen Zuhause angekommen ließ ich euch erstmal etwas Raum – um euch dann nicht wiederzufinden. Nach langer Suche entdeckte ich eure kleinen Füße hinterm Spülschrank und als ich die Tür öffnete, sah ich in eure ängstlichen Gesichter. Ich hatte gehört, dass ängstliche Katzen es mögen, wenn man ihnen vorliest und so setzte ich mich zu euch auf den Küchenboden und las. Ich las etwas, dass ich sowieso lesen wollte, die Zeitung. Ein ziemlich ausführliches Dossier über Christian Linder – ihr konntet ja sowieso kein Deutsch, dachte ich. Rückblickend betrachtet vielleicht nicht die beste Einführung in die deutsche Politik. Ihr habt euch nicht gerührt. Nach über einer Stunde, als mein Hintern kalt und eingeschlafen war, gab ich auf und ging ins Wohnzimmer. Und dann sah ich dein kleines Gesicht, wie es neugierig aus der Küche schaute, wohin die Stimme verschwunden war. Du gingst vor, um zu sehen, ob es für deine Melly sicher war – wie du es auch danach immer machen würdest, obwohl du viel kleiner warst. Du kamst zu mir und stecktest dein Pfötchen in mein Wasserglas, wie du es bis zuletzt immer machtest, um zu testen, ob Wasser in einem Gefäß war. Als ich dich am Ende, schwer krank, im Katzenklo versorgt habe, musste ich wegen dieser Marotte stündlich dein Wasser wechseln, weil du immer wieder Streu mit deiner kleinen Pfote hineingeworfen hast. Und so war das Eis gebrochen, Melly folgte, und du hast sofort die Fensterbankliege angenommen und dich endlich geputzt. Es verging nicht viel Zeit und ihr lagt bei mir auf dem Sofa. Du warst mir angekündigt worden als „wird nicht so gerne mit der Hand gestreichelt“ und es stimmte, du mochtest das Köpfeln. Du hast bekannte und unbekannte Menschen angesehen und auf diese dir eigene Weise dein Köpfchen schief gelegt. Es war eine Einladung und manchen war sie zu schnell zu vertraulich, aber die meisten haben sie gerne angenommen. Bei Händen warst du vorsichtiger und hast schnell ein Zwicken angedeutet. Es hat Jahre gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass das nur ein Bluff war und du selbst im schlimmsten Stress niemals wirklich zugebissen hättest. Aber so oder so, ich respektierte deine Grenzen (und wegen deines Bluffs jede*r andere auch) und so wurde das Zwicken immer mehr zum Symbol, bis es schließlich nur noch ein leichtes Heben des Kopfes war und dann ganz verschwand. Aber auch in die andere Richtung hast du bevorzugt mit deinem Mäulchen kommuniziert und fleißig Liebesbisse verteilt. Wer zärtlich von dir abgeknabbert wurde, konnte sich glücklich schätzen. Ansonsten traf die Einschätzung aber nicht zu, du warst eine ausgesprochene Kuschelkatze, die sich stundenlang im Arm liegend das Bäuchlein kraulen ließ – zu ihren Bedingungen natürlich. Bis zuletzt hast du nicht gerne auf dem Schoß gesessen und den Kontrollverlust des Hochhebens konntest du nie ertragen. Fair enough. Du brachtest aus Bulgarien die erste von zahlreichen Bindehautentzündungen mit und keine 10 Tage nach deiner Ankunft saßen wir das erste Mal beim Tierarzt. Fünfmal pro Tag Augensalbe – und das, wo ich doch gerade erst dein Vertrauen gewonnen hatte und noch nicht wusste, dass dein Bluff ein Bluff war. Ich habe geheult. Und mir dann einen Deal überlegt: Du kommst auf den Tisch und lässt mich das machen und dafür gibt’s die richtig leckeren Snacks. Abgemacht! Am Ende warst du beleidigt, als die Behandlung beendet war. Aber die nächste hat ja nie lange auf sich warten lassen... Und du brachtest eine empfindliche Verdauung mit, die sich nie vollends gelegt hat und bis zum Schluss nicht erklärt werden konnte. So war es eben einfach. Es hat ewig gedauert, euch auf hochwertiges Nassfutter umzustellen, und dann noch eins zu finden, von dem du keinen Durchfall bekommen hast. Und wenn das endlich gefunden war und Melly es auch mochte, wurde es plötzlich von einem Tag auf den anderen ungenießbar. Oder die Rezeptur wurde geändert – das sollte wirklich unter Strafe stehen! Du hast für dein Leben gern gefressen - „futtermotiviert“ nennt man das wohl - warst aber unglaublich wählerisch und hast dadurch bestimmt, was in den Napf kommt. Bitte nur Geflügel, am liebst Huhn oder Pute, aber lieber von Mjamjam und auf keinen Fall von Sandras Schmankerl! Das merke ich jetzt, wo du weg bist, und ich gar nicht weiß, was Melly gerne frisst, so ohne dich. Ich habe nach 9 Jahren wieder Futter-Probierpakete bestellt. Melly, deren Verhältnis zu Futter wesentlich pragmatischer ist, hat dir immer den Vortritt gelassen. Wenn ihr etwas wirklich wichtig war (wie Katzenminzespielzeuge), hat sie es verteidigt, aber niemals Futter. Nichtmal, als du ihr einmal ein Leckerchen aus dem Maul gestohlen hast. Du warst klug, du konntest Türen öffnen, schon bevor ihr zu mir kamt. Aber in den letzten Jahren hast du das selten gemacht – du hast es Melly beigebracht und sie vorgehen lassen. Du warst die Königin des Fummelbretts und Futterspielzeuge, die Melly bis heute nicht verstanden hat, bedientest du beidpfötig. Nur schnell musste es gehen, du hattest nie die Geduld für Fleißaufgaben. Eine menschliche Freundin von euch hat uns allen das Clickern beigebracht. Das Prinzip hast du nie verstanden. Also, du hast sehr schnell und genau verstanden, was du machen sollst, aber nicht WARUM? Warum das Theater mit den Tricks, wenn man dir das Leckerchen doch auch sofort geben könnte? Also hast du das halbherzigste High Five gegeben, das man je gesehen hat, und dabei eine Fresse gezogen. Überhaupt, das konntest du gut: Eine Fresse ziehen. Wer behauptet, Katzen hätten keine Mimik, hat nie gesehen, wie du Besuch anschaust, auf dessen Brust zu liegen du dich herabgelassen hast, während dein Blick sagt „fass mich bloß nicht an, sei dankbar, dass du hier unter mir liegen darfst, und wann gehst du eigentlich wieder?“. Wer dachte, deine Zuneigung wäre käuflich, wurde enttäuscht. Du konntest begierig und charmant alle Snacks der Welt von jemandem annehmen und danach wieder missbilligend schauen. Gäste hatten es wirklich nicht leicht, aber wen du ins Herz geschlossen hattest, dem warst du eine zauberhafte und liebenswerte Freundin und den hast du mauzend und köpfelnd antrabend schon im Hausflur begrüßt. Zu Leckerchen hast du dann natürlich trotzdem nicht „Nein“ gesagt. Über die Jahre waren viele Menschen eure Catsitter*innen. Und sie alle wurden durch Futterverweigerung auf die Probe gestellt – könnte ja sein, dass da noch was Besseres kommt, wenn man nur genug mäkelt. Der neue Mensch will ja sicher nicht erklären müssen, warum ihr verhungert seid. Die Männer habt ihr damit am besten um den Finger gewickelt. Spätestens bei der vierten geöffneten und verschmähten Dose ist jeder verzweifelt. Der Trick wäre übrigens warten und durchhalten gewesen. Nicht jede*r sollte wiederkommen. Aber manche wurden eure menschlichen Freunde und Freundinnen, teilweise sogar ohne den Umweg über mich. Du hattest nicht nur Pech mit deiner zarten Gesundheit, manchmal hattest du auch einfach nur Pech. Einmal hast du dir das Auge verletzt (hatte Melly versucht es zu putzen?) und hattest einen sehr schmerzhaften Kratzer auf der Hornhaut. Also musstest du wieder zum Tierarzt, aber mit Augensalbe hatten wir ja schon Übung. Und einmal hattest du eine Halsentzündung, nachdem du einen ganzen Topf voll Katzengras verschlungen hattest, du kleines Schaf. Melly hat sich das mittlerweile abgeschaut und übernimmt nun die Aufgabe, alle (katzensicheren) Pflanzen, die sich hierher verirren, komplett abzugrasen. Aber wir hatten auch Glück. Corona brachte uns Homeoffice, davon wart ihr begeistert. Es gibt ja immer auch etwas Gutes. Und ich bin sicher, dass auch einige meiner Kolleg*innen die niedliche kleine Katze vermissen werden, die immer zum Köpfeln auftauchte, wenn die Meetings dir zu lange dauerten. Du warst nicht so eine Rampensau wie Melly, die von den fremden Stimmen immer magisch angezogen wurde, aber auch du hast dich gezeigt und auch mal was auf Teams geschrieben. Im Frühjahr 2023 sind wir in eine viel größere, schönere, hellere und trockene Wohnung umgezogen. Der Umzug selbst begann als Katastrophe. Du bist entwischt und hast meine ganze gute Planung durchkreuzt. Die Fangaktion war dramatisch und ich dachte, das wirst du mir ewig übelnehmen. Da hatte ich noch nicht begriffen, wie wenig nachtragend du warst. Du hast geschrien und geweint in deiner Transportbox, eine lange, unangenehme Reise erwartend, wahrscheinlich wieder zum Tierarzt. Doch dann hast du bemerkt, dass das ganze Drama unnötig war, weil wir nur eine Treppe hochgegangen sind und dich in ein Zimmer gebracht haben, in dem deine Möbel und deine Melly schon auf dich warteten. Als du das begriffen hast, legte sich die Aufregung und du hast geschnurrt. Die neuen Räume, Gerüche und Geräusche haben dir Angst gemacht und wenn ich nicht dabei war, hast du dich zwischen den Kisten im hintersten Zimmer versteckt. Aber schnell hat die Neugier gesiegt, du bist mutig vorgegangen und hast geschaut, ob diese neue Welt sicher ist für deine Melly und dich. Ich war so stolz auf dich. Schnell wurden die Kisten zum Spielplatz und du hast die neuen Räume, Winkel, Ecken und Ebenen geliebt. Du liebtest frisch bezogene Betten, die Heizung im Winter und die sonnige Fensterbank im Sommer. Du liebtest es, stundenlang still neben mir zu liegen. Und du liebtest – grauenhaftes Katzenspielzeug, ich weiß, gar nicht gut, kauft das nicht! - LED-Pointer. Ich wollte ihn nicht benutzen, wirklich nicht, aber du hast durch drei Wände gehört, wenn ich nur daran vorbeigegangen bin, ich schwöre es! Also haben wir das manchmal gemacht, mit Belohnung zum Anfassen natürlich. Und wie alle Katzen liebtest du Kartons. Gerne auch viel zu kleine. Und Koffer! Koffer waren das Beste! Es gibt Leute, die haben extra einen alten Koffer für euch mitgebracht. Am liebsten hast du Angeln oder Federstäbe auf dem Bett oder Sofa gejagt, wo deine Krallen Halt gefunden haben. Und überhaupt, du hast gerne am Sofa gekratzt und an jeder Sitzgelegenheit, bevor du hochgesprungen bist (das war auch mal mein Bein). Das hast du dir auch nie abgewöhnen lassen. Und du liebtest es, Leckerchen von einem Ende der Wohnung zum anderen zu jagen. Und du warst schnell, sehr schnell! Selbst wer das wusste, hat deine Reflexe noch unterschätzt. Du warst eine hervorragende Jägerin. In den 9 Jahren, die du bei mir warst, habe ich nie gesehen, dass eine Fliege länger als 10 Minuten in unserer Wohnung überlebt hat. Du hast sie dir alle geholt, am Fenster oder direkt aus der Luft. Und dann hast du sie natürlich gefressen, klar, wozu sonst die Mühe? Spinnen waren nicht so dein Ding und um die Baumwanzen, die hier jedes Frühjahr auftauchen, hast du einen großen Bogen gemacht. Aber die Fliegen... was mache ich denn diesen Sommer ohne dich? Und du liebtest Melly. Katzenfreundschaften sind leise und unauffällig. Am deutlichsten wurde es in dem ruhigen Vertrauen, mit dem ihr euch begegnet seid. Als du am Ende wochenlang krank warst, hat Melly fast immer in dem Raum geschlafen, in dem du dich aufgehalten hast. Nicht direkt bei dir, aber immer in deiner Nähe. Ihr habt immer gerne Fangen gespielt, wie Katzenmädchen das so machen, aber Melly war schon immer größer und mit zunehmendem Alter wurde dir ihr Spiel zu wild. Aber du hattest nie Angst vor ihr – ein kurzes, informatives Fauchen und Melly hat deine Grenzen respektiert. Ihr habt euch auch versteckt und gegenseitig aufgelauert, wenn die andere auf der Toilette war. Bei anderen Katzen, die sich nicht so gut kennen, hätte daraus das klassische Toilettenmobbing werden können, aber bei euch war es ein liebevolles Spiel, bei dem die Mobberin den Überfall nur angetäuscht hat und die Toilettengängerin schon wusste, was kommt, und die Mobberin mit einem liebevollen Nasenstupser empfangen hat. Und natürlich hast du immer auf deine Melly aufgepasst. Wenn Melly mal wieder vergessen hatte, wie ihre Krallen funktionieren, weil sie sich irgendwo verfangen hatte, in Panik geriet und schrie, warst du stets sofort da und hast sie mit einer beherzten (krallenlosen) Ohrfeige dazu gebracht, ihre Krallen einzuziehen und sich zu befreien. Und jede, die dir dabei in die Quere kam, weil sie Melly auch helfen wollte (=ich), bekam auch gleich einen Klaps. Für dich war völlig klar, dass das deine Aufgabe war. Ich weiß jetzt schon, dass du furchtbar fehlen wirst, wenn das das nächste Mal passiert. Aber auch, wenn jemand wild mit deiner Melly gespielt hat, auch ich, und du das nicht einschätzen konntest, warst du zur Stelle. Sicher ist sicher. Und auch auf mich hast du geachtet. Als ich mich einmal sehr schmerzhaft am Zeh verletzt hatte, musste ich mich zusammenreißen, weil du so gejammert hast vor Sorge. Und immer, wenn ich traurig war oder krank, wart ihr da, an meiner Seite. Du bist bei einer Grippe mal tagelang bei mir im Bett geblieben (Melly hat zwischendurch immerhin gecheckt, ob ich noch lebe). Aber am offensichtlichsten wurde eure Liebe, wenn ihr irgendwo als Stapelkatzen beieinander gelegen habt. In Kartons, auf Heizungen, auf Fensterliegen in der Sonne, in Körbchen, Bettchen, auf Sofas und im Bett, überall habe ich euch schon kuschelnd gefunden. Manchmal auch aus Konkurrenz um den jeweiligen Platz, aber trotzdem (fast) immer zärtlich. Meist hast du Melly „gebeten“ dich zu putzen, mit stupsen und zwicken, und Melly hat nie gezögert. Oft hast du Melly auch kurz geputzt, aber meist hast du es einfach nur genossen, geputzt zu werden und dich auch nicht gescheut, einen Nachschlag zu verlangen. Und ja, ich will es nicht verschweigen, es kam auch vor, dass du Melly von einem guten Sonnenplatz vertrieben hast. Du warst eben die Chefin. Und dann muss ich auch noch das Offensichtliche erwähnen: Du warst ganz zauberhaft mit deinem weißen und cremefarbenen, flauschigen Fell, deinen zarten, perfekten Ohrhärchen, deinem Stupsnäschen, deinen bernsteinfarbenen Augen und dem dazu passenden Lidstrich. Die meisten fanden dich sofort hinreißend und es gab oft die Vermutung, ob vielleicht eine kleine Britin in dir steckt. Aber obwohl du aussahst wie eine kleine Prinzessin (und du leider auch die Blutgruppe einer Prinzessin hattest, eine seltene nämlich), warst du alles andere als ein Püppchen. Du warst willensstark, worauf schon dein forsches Kinn hingewies. Und du warst sehr gesprächig, du hast lautstark deine Meinung mitgeteilt, vor allem wenn dir etwas nicht gefiel. Mir ist nie eine Katze mit einem so deutlichen Tonfall begegnet. Das passte zu deiner Mimik. Aber unter all dem steckte ein unglaublich liebevolles, zartes und sensibles Mädchen – vielleicht doch eine kleine Prinzessin. Im Dezember 2024 ist dir ein Fangzahn abgebrochen – FORL. Dir mussten alle Zähne bis auf vier gezogen werden. Die Operation war schmerzhaft und brutal und dein kleines Gesicht war so geschwollen, dass du über eine Woche lang eine halbseitige Gesichtslähmung hattest. Du hast es überstanden, aber in der Zeit sind zweimal mobile Tierärzt*innen zu uns gekommen und seitdem hast du dich vor Besuchern gefürchtert, selbst vor deinen Freund*innen. Das hat mir für dich so leid getan. Aber du bist aufgeblüht, wirktest freundlicher, leichter und insgesamt fröhlicher. Du musst zuvor schon lange Zahnschmerzen gehabt haben. Diese Schuld wird mich immer begleiten. Aber du hattest ein gutes Jahr. Ein schmerzfreies Jahr, mit Sonne am Fenster und einer ganz neuen Liebe für unsere regelmäßigen Besucher. Das Leben ohne Zähne fiel dir nicht schwer und schnell konntest du selbst harte Leckerchen wieder essen. Das Glück hielt leider nur ein knappes Jahr – das Glück war dir nie hold, vielleicht hattest du bereits alles aufgebraucht, als du die Straßen Bulgariens überlebt hast. Im November 2025 fingst du an, dich bis aufs Blut zu kratzen. Diagnose: Futtermittelunverträglichkeit, Hauptverdächtiger: Huhn. Ausschlussdiät. Für eine Katze, die so gerne frisst wie du, aber nur Huhn und Pute mag, eine Katastrophe. Wir haben viel ausprobiert – Wild, Hirsch, Wildschwein, Strauß, Känguru, Büffel, Ziege, Schaf, Hase, Ente – alles fandest du widerlich. Aber wir haben es geschafft, Pferd und später Rind und Schwein, zusammen mit einem speziellen Trockenfutter, hast du akzeptiert. Und tatsächlich, der Juckreiz wurde besser, die Haut heilte. Aber dir ging es nicht besser. Du warst müde, hast viel geschlafen und nach und nach nicht mehr gespielt, gekuschelt, am Leben teilgenommen. Im Januar war klar, wir müssen zum Tierarzt. Vor dem Besuch, der alles geändert hat, kamst du auf meinen Schoß, was du sonst nie gemacht hast, hast dich an mir festgehalten, dich angekuschelt und mich direkt angesehen, als wolltest du sagen „Mama, ich bin krank!“. Ich habe dir versprochen, dass ich dir helfen werde, aber ich hatte ein schlechtes Gefühl. Und so war es. Diabetes, Anämie, Tränen. Den Diabetes haben wir so gut gemeistert, du wärst wahrscheinlich in Remission gegangen. Wenn die bösartige Anämie nicht gewesen wäre. Sie nahm dir am Ende das Leben. Wir haben gekämpft und auf dem Weg viele herzliche, großartige, hilfsbereite Menschen getroffen. Du bekamst das Blut von einem fremden Kater aus Grunewald. Doch seine Spende konnte dich nicht retten. Und dann hatten wir genug gekämpft. An deinen letzten Tagen haben wir die Medikamente abgesetzt, von denen dir so übel war, und es gab Fastfood (Grillhähnchen – zum Teufel mit der Futterunverträglichkeit!). Das hat dir so gut geschmeckt, dass du bei jeder Mahlzeit geschnurrt hast. Und du hast die Frühlingsluft gerochen und obwohl deine Hinterbeinchen so schwach waren und du es fasst nicht hoch geschafft hättest, hast du dich ein letztes Mal auf die Fensterbank gesetzt und in den Garten geschaut. Und du hast Besuch bekommen: Zwei deiner menschlichen Freundinnen kamen, um dich ein letztes Mal zu sehen. Auch in ihren Herzen hast du Spuren hinterlassen. Und du hast dich gefreut, geblinzelt und es sichtlich genossen, unseren ruhigen Gesprächen zu lauschen. Ich denke, du hast gespürt, dass wir nun loslassen, auf jeden Fall hast du aber schnell gemerkt, dass ich dich nicht mehr mit ekliger Medizin malträtiere (du warst ja schlau) und hast dann auch wieder friedlich mit mir auf dem Sofa gelegen, in deiner Transportbox, die in der Klinik deine sichere Zuflucht geworden war, und hast dich von mir streicheln lassen und zaghaft mit mir geköpfelt. Du warst wirklich nicht nachtragend und ich halte mich an dem Gedanken fest, dass du immer gewusst hast, dass ich all das, die Medizin, die Tierarztbesuche, die Klinikaufenthalte, dass ich all das aus Liebe getan habe. Wir haben ein letztes Mal zu dritt ferngesehen wie früher, als wäre alles normal und du nicht bald fort. Und ganz kurz vor dem Abschied lag plötzlich Melly mit dir in deiner Box. Und du hast sie geputzt, ausgiebig und liebevoll, mit Pausen, ganz innig. Sonst war es immer umgekehrt, Melly hat dich geputzt. Und ich bin mir sicher, dass das dein Abschied war von deiner Kleinen. Du wusstest es. Dein Weg hinüber war nicht leicht, wie alles in deinem Leben. Du hast dich am Bewusstsein festgeklammert und wolltest die Kontrolle nicht abgeben, meine kleine Kämpferin. Aber als das geschafft war, ging es ganz schnell. Und dann warst du fort. Leise und unspektakulär, aber dein Fehlen ist ohrenbetäubend. Es tut mir leid, dass ich dich so viel habe durchmachen lassen. Und es tut mir leid, dass wir es nicht länger versucht haben. Es tut mir leid, dass ich dich nicht retten und dass ich dich nicht beschützen konnte. Ich verspreche dir, dass ich auf unsere kleine Melly aufpassen werde. Sie wird nicht allein bleiben. Und ich werde sie für dich mit lieben. Ich hoffe, dass du gut über die Regenbogenbrücke gekommen bist und dort, wo du jetzt bist, deinen Frieden hast, ohne Angst und ohne Schmerzen, und auf uns herabsiehst und schnurrst. Und ich bin so dankbar, dass du mich 9 Jahre lang begleitet, mein Leben bereichert und mich verändert hast. Und ich stelle mir vor, dass du auf uns wartest, auf Melly und mich und alle, die vielleicht noch kommen, denn eigentlich bist du ja nur vorgegangen. Und bis dahin werde ich dich vermissen, meine kleine Betty, und mich an dich erinnern und irgendwann dabei nur noch lächeln.

Kondolenzbuch

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Kommentare

Corinna

Kommentar vom 06.04.2026

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für Betty ❤️ Wenn eine geliebte Katze zu einer Erinnerung wird, dann wird diese Erinnerung zu unserem wertvollsten Schatz ❤️ mit Seelenhund Billy tief im ❤️+27.09.2024

Bernd mit Jersey (†17.09.2024) im Herzen ❤️

Kommentar vom 06.04.2026

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Eine wunderschöne Rose für Betty Egal wie groß oder klein die Pfoten sind, die uns begleitet haben: Sie hinterlassen Spuren in unseren Herzen. Im stillen Gedenken Bernd mit Jersey (†17.09.2024) im Herzen ❤️

Andachtsbild von Bernd mit Jersey (†17.09.2024) im Herzen  ❤️

Beate mit Elvis, Baby, Presley und Priscilla im Herzen❤❤❤❤

Kommentar vom 06.04.2026

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Es wird Stille sein und Leere. Es wird Trauer sein und Schmerz. Es wird dankbare Erinnerung sein, die wie ein heller Stern die Nacht erleuchtet, bis weit hinein in den Morgen. Ganz viel Kraft für Sie.

Andachtsbild von Beate mit Elvis, Baby, Presley und Priscilla im Herzen❤❤❤❤

🌹

Kommentar vom 06.04.2026

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Dank dir für all die schöne Zeit, für Liebe, Treue, Wachsamkeit. Für jedes Schweigen, das verstand, für deine Nähe – Herz an Hand. Du warst mein Schatten, mein Licht zugleich, so ehrlich, klar und still und weich. Ein Blick von dir – und ich verstand, du warst mehr Freund als irgendwer im Land. Du hast mein Lachen mitgetragen, und still geweint an dunklen Tagen. Du warst ein Stück von meinem tiefsten Lebensglück. Jetzt gehst du leise, ganz wie du warst, doch deine Seele bleibt und rast durch all die Räume tief in mir – mein Herz wird ewig danken dir. So ruhe sanft, mein Lebenslicht, vergesse mich im Himmel nicht. Denn was uns band, bleibt ewig wahr du fehlst… und bist doch immer da ღ Im Schmerz verbunden , ein kraftspendender Gruß Diana mit Seelenhündin Lara ღ

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Tanja mit Timmy im 💖🐈🐾

Kommentar vom 06.04.2026

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Eine Rose für Ihre geliebte Samtpfote Betty ins Regenbogenland. Liebe Nadine, ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft, diesen schweren und frühen Verlust zu verarbeiten. Run free, little angel. 🕯🌹🌈💖🐈🐾 Herzliche Grüße von Tanja mit Timmy im 💖🐈🐾. Gedanken zum Abschied Kraftvoll, in sattem Grün und mit vielen Knospen steht er vor mir - der Baum der Generationen. Ein Blatt säuselt leis zu Boden, kraftlos wie mir scheint. Es ist eines der wenigen bunten und sehr lang schon hing es locker an diesem Baum - verzweifelt sich wehrend gegen jeden Sturm. Noch bevor der Wind es mir nehmen kann, hebe ich es auf und schaue es an - ein letztes Mal. Es ist einfach und schön. Die Harmonie der Farben gibt mir Kraft, die Narben stimmen mich traurig und nachdenklich zugleich. Nun möchte ich dieses Blatt nicht mehr länger aufhalten auf seinem Weg. Ich gönne ihm die lange Reise mit dem Wind, der es tragen wird, bis es irgendwo ein letztes Plätzchen gefunden hat, um zu vergeh'n. Spuren werden bleiben - Erinnerungen sein. Martina Georgi

Andachtsbild von Tanja mit Timmy im 💖🐈🐾

Rosen

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Corinna mit Billy im ❤️

Am 06.04.2026