Gedenkseite von Tabby

Tabby
13 Jahre an meiner Seite nun trage ich deine Pfote und Asche über meinem Herzen
Katze [Mischlingskatze]
Veröffentlicht am 01.09.2026 von Thomas Kölzow
Betreut von: ROSENGARTEN-Tierbestattung Filiale Leipzig




Manchmal hinterlässt ein kleines Wesen eine so große Leere, dass man kaum begreifen kann, wie still ein Zuhause plötzlich werden kann. Am 16. Juli 2026 musste ich Abschied von meiner geliebten Tabby nehmen. Nach 13 gemeinsamen Jahren bei mir und einem langen Katzenleben von 17 Jahren ist nun auch das letzte Mitglied eines ganz besonderen Kapitels meines Lebens gegangen. Tabby kam am 11. Juni 2013 gemeinsam mit ihrer Schwester Mira zu mir. Ein halbes Jahr zuvor hatte ich meine Katze Theo verloren, die mich seit meinem neunten Lebensjahr begleitet hatte und mit 16 Jahren friedlich in meinen Armen eingeschlafen war. Nach ihrem Tod war für mich zunächst klar gewesen, dass ich keine weitere Katze haben wollte. Der Verlust hatte zu sehr geschmerzt. Doch irgendwann entstand wieder der Wunsch, einem Tier ein Zuhause zu geben – diesmal ganz bewusst keiner Rassekatze, sondern einer Katze, die bereits etwas älter war und ein neues Zuhause brauchte. Über eine Anzeige fand ich schließlich zwei Schwestern, die wegen Familienzuwachses abgegeben werden sollten: Mietze und Tatze. Aus Mietze wurde Mira. Aus Tatze wurde Tabby. Und aus zwei Katzen, die ein neues Zuhause brauchten, wurden zwei Familienmitglieder. Schon auf der Fahrt zu mir zeigte sich, wie eng die beiden miteinander verbunden waren. Gemeinsam saßen sie in einer Transportbox, ruhig und friedlich, und angekommen im neuen Zuhause begannen sie sofort, alles zu erkunden und ihr neues Reich für sich zu beanspruchen. Tabby war dabei immer die etwas vorsichtigere von beiden. Wenn Besuch kam, war sie meistens die Erste, die unter dem Bett verschwand. Doch kaum ging der Besuch wieder und die Tür öffnete sich, war sie ebenso zuverlässig wieder da. Schließlich musste man ja kontrollieren, wer da gewesen war und was draußen vor sich ging. Ihre Vorsicht bedeutete aber keineswegs, dass sie nicht mutig war. Ganz im Gegenteil. Während Mira mit größeren Höhen eher vorsichtig war, liebte Tabby den Balkon und besonders das Balkongeländer. Einmal verlor sie dort beim Laufen plötzlich das Gleichgewicht und kippte einfach zur Seite. Zum Glück fing das Katzennetz sie auf und ich stand direkt daneben, sodass ich ihr wieder zurück auf sicheren Boden helfen konnte. Es war einer dieser Momente, über die man sich zunächst erschreckt und später immer wieder schmunzeln muss. Tabby konnte schüchtern sein, aber gleichzeitig steckte unglaublich viel Leben in ihr. Beim Spielen konnte aus der zurückhaltenden Katze innerhalb von Sekunden ein vollkommen konzentrierter kleiner Jäger werden. Erst wurde das Ziel mit größter Aufmerksamkeit beobachtet – und dann schoss sie plötzlich wie ein aufgezogenes Spielzeug mit voller Energie los. Und genauso intensiv, wie sie spielte, konnte sie auch kuscheln. Tabby war eine leidenschaftliche Schmusekatze. Sie wusste sehr genau, wann sie ihre Streicheleinheiten wollte, und holte sie sich zuverlässig ab. Viele Jahre gehörten ihr Schnurren, ihre Nähe und ihre kleinen Eigenheiten ganz selbstverständlich zu meinem Alltag. Nach dem Tod ihrer Schwester Mira blieb Tabby bei mir zurück. Ich hatte erwartet, dass der Verlust ihrer Schwester sie vielleicht völlig verändern würde. Doch Tabby blieb Tabby. Sie war lebendig, neugierig und erstaunlich fit – und vermutlich stellte sie irgendwann einfach fest, dass nun das gesamte Revier ihr gehörte. Es tat gut, sie noch bei mir zu haben. Nach Mira war sie das letzte Stück dieses gemeinsamen Lebens, das 2013 begonnen hatte. Gerade weil Tabby für ihr Alter noch so lebendig war, hatte ich gehofft, dass uns vielleicht noch einige weitere Jahre bleiben würden. Doch irgendwann begann sie vermehrt zu sabbern. Beim Tierarzt waren ihre Blutwerte für ihr Alter überraschend gut. Zunächst deutete vieles darauf hin, dass ihre Zähne ihr Schmerzen bereiteten. Deshalb wurde ein Termin für eine Zahnbehandlung vereinbart. In der Zeit bis dahin wurde es für Tabby zunehmend schwieriger zu trinken und zu fressen. Besonders während der heißen Tage machte ich mir große Sorgen um sie. Ich versuchte alles, damit sie genügend Flüssigkeit und Nahrung zu sich nahm, brachte ihr Hähnchenfleisch und andere Dinge, die sie besonders gerne mochte. Und sie kämpfte. Sie fraß. Sie trank. Sie machte weiter. So wie sie es ihr ganzes Leben getan hatte. Am 16. Juli brachte ich sie schließlich zu ihrem Behandlungstermin. Ich wusste, dass eine Narkose bei einer 17 Jahre alten Katze immer ein Risiko ist. Trotzdem hoffte ich darauf, Tabby später wieder mit nach Hause nehmen zu können und dass es ihr nach der Behandlung endlich wieder besser gehen würde. Doch kurz nachdem ich zu Hause angekommen war, kam der Anruf. Beim Röntgen hatte man festgestellt, dass nicht ihre Zähne das eigentliche Problem waren. An beiden Unterkieferästen hatten sich Tumore gebildet. Sie beeinträchtigten bereits die Beweglichkeit ihrer Zunge und waren der Grund dafür, dass Tabby immer größere Schwierigkeiten beim Trinken und Fressen hatte. Die Alternative wäre gewesen, ihr mit starken Schmerzmitteln vielleicht noch etwas Zeit zu verschaffen – wohl wissend, dass sie irgendwann nicht mehr ausreichend hätte essen oder trinken können. Für mich gab es deshalb eigentlich keine Entscheidung. Ich hätte Tabby niemals bewusst leiden lassen. Und trotzdem gehört der Satz, dass man ein geliebtes Tier gehen lassen muss, zu den schwersten Sätzen, die man in seinem Leben aussprechen kann. Der behandelnde Tierarzt begegnete mir in diesem Moment sehr verständnisvoll. Er nahm sich Zeit, erklärte mir die Röntgenbilder und die Situation ausführlich und nachvollziehbar und machte mir keinen Druck. Besonders dankbar bin ich ihm dafür, dass er mir ausdrücklich anbot, mit dem Einschläfern zu warten, bis ich wieder in der Praxis angekommen wäre. So konnte ich mich auf den Weg zurück zu Tabby machen und wusste, dass ich noch die Möglichkeit bekommen sollte, bei ihr zu sein. Ich fuhr so schnell es ging zurück. Als ich dort ankam, lag Tabby noch auf dem OP-Platz und war weiterhin an die Überwachungsgeräte angeschlossen. Die Situation zu sehen und zu wissen, dass ich nun endgültig Abschied nehmen musste, traf mich sehr. Ich kämpfte mit den Tränen und versuchte überhaupt erst zu begreifen, dass ich meine Katze gleich nicht mehr mit nach Hause nehmen würde, wie ich es an diesem Morgen noch gehofft hatte. Was danach geschah, gehört leider zu den Momenten dieses Abschieds, die mich bis heute beschäftigen. Während der Tierarzt zuvor sehr verständnisvoll gewesen war und mir ausdrücklich Zeit eingeräumt hatte, empfand ich den anschließenden Ablauf durch die betreuende Mitarbeiterin als sehr schnell und routiniert. Während ich noch versuchte, meine Tränen wegzuwischen und die Situation emotional zu erfassen, wurde Tabby bereits von den Geräten gelöst und für den Abschied fertiggemacht. Kurz darauf lag sie in ihrem Körbchen. Ich fragte, ob sie bereits verstorben sei. Die Antwort war, dass es gerade eben geschehen war. Dieser Moment hat mich sehr getroffen. Nicht, weil ich die Entscheidung bereue, Tabby gehen zu lassen. Im Gegenteil. Ich weiß, dass es die richtige Entscheidung war und dass ich ihr weiteres Leiden ersparen wollte. Auch dem Tierarzt mache ich keinen Vorwurf. Er war verständnisvoll, nahm sich Zeit und hatte mir sogar angeboten, auf meine Rückkehr zu warten. Was mir jedoch gefehlt hat, waren einfach ein paar Minuten. Fünf Minuten hätten gereicht. Ein paar Minuten, um ihre Pfote oder ihren Kopf noch einmal zu berühren. Um bei ihr zu sitzen. Um ihr etwas zu sagen. Um ihr noch einmal das Gefühl zu geben, dass ich da bin. Auch wenn sie unter Narkose stand, wäre es mir wichtig gewesen, dass meine Berührung und meine Stimme das Letzte sind, was sie auf ihrem Weg begleitet. Nach so vielen gemeinsamen Jahren hätte ich mir gewünscht, dass dieser letzte Moment nicht Teil eines routinierten Ablaufs ist, sondern für einen Augenblick nur Tabby und mir gehört. Diese wenigen Minuten kann mir niemand zurückgeben. Ich nahm Tabby anschließend noch einmal mit nach Hause. Dort bekam ich schließlich die Zeit, die uns zuvor gefehlt hatte. Ich konnte mich von ihr verabschieden. Ich konnte sie noch einmal streicheln. Noch einmal ihr Fell fühlen. Noch einmal ihren kleinen Körper bei mir haben. Noch einmal genau hinsehen und versuchen, diesen Moment festzuhalten. Es waren die letzten Streicheleinheiten. Das letzte Kraulen. Die letzten gemeinsamen Augenblicke. Auch wenn Tabby diese Berührungen nicht mehr bewusst wahrnehmen konnte, waren sie für mich wichtig. Es war meine Möglichkeit, ihr noch einmal nahe zu sein und mich nach 13 gemeinsamen Jahren von ihr zu verabschieden. Tabby war über viele Jahre hinweg ein fester Bestandteil meines Lebens. Sogar eine Allergie gegen sie hatte sich irgendwann entwickelt. Nach dem Streicheln musste ich mir häufig die Hände waschen, weil sonst die Augen und die Haut zu jucken begannen. Aber selbst das gehörte irgendwann einfach dazu. Es war lästig. Aber vollkommen unwichtig im Vergleich dazu, sie bei mir zu haben. Denn Tabby war Lebensfreude. Sie war neugierig und vorsichtig. Schüchtern und gleichzeitig mutig. Sie war eine intensive Schmusekatze und ein hoch konzentrierter kleiner Jäger. Sie konnte sich unter dem Bett verstecken und kurze Zeit später neugierig kontrollieren, ob die Welt wieder sicher war. Sie konnte gemütlich daliegen und im nächsten Moment mit voller Energie durch die Wohnung schießen. Sie war einfach Tabby. Mit Theo begann ein großer Teil meines Lebens mit Katzen. Mit Mira und Tabby begann 2013 ein neues Kapitel, von dem ich damals nicht wusste, wie viele Jahre, Erinnerungen, Sorgen, lustige Momente und wie viel Liebe darin liegen würden. Mira ist bereits vorausgegangen. Nun ist auch Tabby gegangen. Und zum ersten Mal seit sehr langer Zeit ist dieses Zuhause ohne eine Katze. Kein vertrautes Geräusch mehr. Kein erwartungsvoller Blick. Keine Pfoten, die durch die Wohnung laufen. Keine Katze, die ihre Streicheleinheiten einfordert oder neugierig beobachtet, was gerade passiert. Diese Stille ist schwer auszuhalten. Tabby war für mich nicht einfach „nur eine Katze“. Sie war Familie. Sie war Alltag. Sie war Erinnerung. Sie war ein kleines Lebewesen, das über viele Jahre ganz selbstverständlich zu meinem Leben gehörte – und dessen Fehlen nun an unzähligen kleinen Stellen zu spüren ist. Mit ihr ist vorerst auch die letzte Katze aus meinem Leben gegangen. Nach Theo, nach Mira und nun nach Tabby möchte ich für eine lange Zeit keine neue Katze bei mir aufnehmen. Vielleicht macht gerade das diesen Abschied noch einmal besonders schwer. Denn Tabby war nicht nur Tabby. Sie war auch das letzte lebendige Stück einer Zeit meines Lebens, die mich über Jahrzehnte begleitet hat. Nun ist es stiller geworden. Dunkler. Kälter. Und einsamer. Ich weiß noch nicht, wann sich diese Leere irgendwann weniger schwer anfühlen wird. Aber ich weiß, dass die gemeinsame Zeit bleibt. All die Jahre. Die Spiele. Die Kuscheleinheiten. Der Balkon. Ihre Neugier. Ihre Schüchternheit. Ihre Energie. Ihre Stärke. Und all die kleinen Situationen, die für andere vielleicht bedeutungslos erscheinen mögen, für mich aber ein ganzes gemeinsames Leben ergeben. Ich bin dankbar dafür, dass ich Tabby kennenlernen durfte. Dankbar dafür, dass sie am 11. Juni 2013 gemeinsam mit Mira in mein Leben gekommen ist. Dankbar für jedes Jahr, jeden Tag und jeden noch so kleinen Moment, den sie mir geschenkt hat. Und auch wenn Loslassen bedeutet, dass ich sie nicht mehr sehen, berühren oder bei mir haben kann, bedeutet es nicht, dass sie verschwindet. Denn manche Spuren sieht man nicht. Man trägt sie mit sich. Mach es gut, meine kleine Tabby. Ich hoffe, dass du jetzt wieder ohne Schmerzen essen, trinken und spielen kannst. Vielleicht hast du Mira schon wiedergefunden. Und vielleicht sitzt ihr beide irgendwo gemeinsam auf einem viel zu hohen Geländer, beobachtet neugierig die Welt und fragt euch, warum ich mir darüber schon wieder Sorgen mache. Danke für 13 gemeinsame Jahre. Danke für dein Vertrauen. Danke für deine Nähe. Danke für all die Erinnerungen. Du fehlst mir. Und du wirst mir immer fehlen.
Kondolenzbuch
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