Memorial page of Rambo

Rambo
Published on 05/23/2015 by Andreas Fruehauf
Die Arbeit ist getan. Ich lehne mich zurück und schalte den Computer aus. Stille zieht ein im Arbeitszimmer. Eine schwere, lastende Stille. Müdigkeit packt mich. Eine lähmende, Bleischwere Müdigkeit. Automatisch senkt sich die rechte Hand nach unten. Doch seid vielen Wochen bleibt sie leer... Früher hast Du immer in Deinem Körbchen hinter mir gelegen. Wenn ich nachdachte, konnte ich Dich streicheln. Wie oft fand ich so die Lösung... Doch ist das Vergangenheit! Habe ich den Pc ausgeschaltet, bist Du immer aufgesprungen, um mich herumgetänzelt. Wusstest Du doch, nun gehen wir raus... Langsam schüttle ich die Müdigkeit ab,stehe ich auf. Gehe zum Fenster und lehne meine Stirn an den Rahmen. Augen, die alles und doch nichts sehen. Lange stehe ich so, bis ich mich langsam zur Schrankwand drehe. Augen, die Deine Photos suchen. Meine Finger streichen über Dein Halsband mit dem blauen Halstuch. Das Du am liebsten hattest. Das erste haben wir Dir am Tag nach Deinem Einzug bei uns gekauft. Immer wolltest Du nur diese Halsbänder mit dem Halstuch haben. Kaufte ich ein anderes, hast Du Dich zurückgezogen.Gewinselt. Hatte ich aber so eines, hast Du Dich immer so riesig gefreut! Zufällig berühren meine Finger die Steuer- und Tassomarke. Leises klirren. Wie oft habe ich daran gehört, wo Du im Garten oder Park bist! Jetzt aber zeigen sie mir nur- Du bist gegangen... Sehnsucht überkommt mich. Ich gehe nach unten zu Deiner kleinen Urne. Berühre sie. Kaltes Metall an meine warme Hand. Lange schaue ich auf Dein Bild. Erinnerungen kommen. Erinnerungen an all die schönen Stunden, und an die letzten gemeinsamen Minuten. Minuten der Qual und eines Schmerzes, für den es keinen Gradmesser gibt. Den es nicht geben kann. Weil das niemand ermessen kann, der es nicht erlebt hat! Augen, die sich langsam schließen. Eine Seele, die gequält nach Dir ruft. Feinste Elektroimpulse werden zum Bindeglied zwischen Dir und mir. Dann sehe ich Dich vor mir. So wie Du gewesen bist! Deine wunderschönen braunen Augen, Deine braunen und schwarzen Flecken auf den weiße Läufen Deine Schlappohren, die Dein kleines Gesicht so wunderschön werden ließen. Dein Schwänzchen, das Du immer so stolz hoch getragen hast Du siehst mich an. Fragend. Stumm. Schuldgefühle übermannen meine Seele. „Ich konnte Dich doch nicht retten!“ Doch plötzlich kann ich ein feines Flüstern hören. „Das weis ich doch! Sonst wäre ich jetzt nicht hier- bei Dir“ Tränen, die langsam aus den geschlossenen Augen hervor zu rinnen beginnen. Die das Gesicht verbrennen, und doch wie Eis sind. Eine Seele, die hinabstürzt, in den schwarzen Abgrund aus dem Schmerz und der unerträglicher Qual. Die immer die gleichen Frage stellt: „Warum konnte ich Dich nicht retten? Warum nur???? Ich habe doch alles getan! Warum, oh Herr!? Warum????“ Doch Du antwortest mir leise: „Weil meine Zeit gekommen war! Nun weine nicht mehr um mich. Mein Körper ist vergangen, doch meine Seele geblieben. Hier, bei Dir! Und retten? Wo vor? Da, wo ich jetzt bin, gibt es keine Ungerechtigkeit, keine Angst,keinen Schmerz. Bin ich frei und glücklich. Deine Liebe zu mir war größer als Du selber es zu gibst. Du hast selber diesen Schmerz auf Dich genommen, um ihn mir die meinen zu ersparen. Darum hast Du mich gehen lassen! Hast mich befreit von meinen Schmerzen Von der Pein. Und ich danke Dir dafür. Doch nun bitte ich Dich lass´mich ganz los! Gib mich frei... Ganz frei! Ich werde immer in Deiner Nähe sein. Du kannst mich spüren nur nicht sehen. Doch ich bin da! Wenn Du einsam bist und die Sehnsucht Dich übermannt- so lass´ Dein Herz mich leise rufen. Und ich werde zu Dir eilen...“ Langsam zerfließt Dein Bild Tränen, die beginnen zu versiegen. Augen, die sich langsam wieder öffnen Metall, das sich in meiner Hand erwärmt hat. Ich weiß jetzt, das Du da bist, solange ich Dich fühlen kann. In meinem Herzen, in meiner Seele... Bist Du nicht tot. Bist Du mir nicht einmal fern´. Bist Du bei mir. Bis wir uns dereinst wiedersehen...
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