Memorial page of Rambo

Rambo
Published on 01/09/2016 by Andreas Fruehauf
Ich werde in der Nacht wach, die Heizung ist herunter gefahren. Es ist kühl im Haus, Kühl, dunkel und still. Was mich geweckt hat- ich weiß es nicht. Draußen fällt leise der Schnee. Wirft das Licht der Laterne zurück. Dann ist da wieder das Geräusch, das mich geweckt hat. Nicht sehr laut, aber laut genug für meine Ohren. Jahrtausend alte Sicherheitssystem in mir springen an. Schalten auf Vollast, lassen mich aufstehen. Leise nehme ich mein Schlüsselbund, gehe in mein Arbeitszimmer, öffne fast lautlos den Waffenschrank. Nehme meinen Colt aus der Halterung, dazu das volle Magazin. Mit leisem Klicken rastet es in der Waffe ein. Noch den Schlitten zurückziehen und leise vor gleiten lassen. Mit einem metallischen Klicken gleitet eine Patrone ins Lager. Nun die Waffe sichern und ich bin bereit. Bereit nach dem Rechten zu sehen. Sollte jemand fremdes im Hause sein- ich werde ihn zu empfangen wissen! Da ist das Geräusch wieder. Doch jetzt kann ich es identifizieren. Es ist nur vom Dach abrutschender Schnee, der mich geweckt hat. Der Vorsicht halber nehme ich die Pistole. Sehe ich im Erdgeschoss nach dem rechten. Doch da ist nichts. Nur Dunkelheit und Stille... Leise gehe ich wieder nach oben. Entlade die Waffe.Lege sie an ihren Platz zurück. Ich habe sie nicht gebraucht. Leise verschließe ich den Waffenschrank. Zeit, wieder zu Bett zu gehen. Auf dem Weg in mein Bett komme ich an dem Platz vorbei, an dem so lange Dein Körbchen stand. Automatisch bleibe ich stehen. Denke daran wie gut ich immer geschlafen habe. Solange Du hier geschlafen hast. Wie Dein leises Schnarchen mir Ruhe gab. Sicherheit. Wie ich mich noch im letzten Winter einfach weitergeschlafen hätte. Wusste ich doch, das Du über unseren Schlaf gewacht hättest. Leise lege ich mich in mein Bett. Stille umgibt mich . Doch es ist nicht die gute Stille, die ich mit Dir auf der Kanzel erlebt habe. Es ist eine lastende, bleierne Stille. Denn ich finde keine Ruhe. So wandern meine Gedanken zu Dir, mein allerbester kleiner Freund. Wieder beginnen Herz und Verstand zu streiten. Stellen sich die gleichen Fragen, die mich schon so lange quälen, mir die Ruhe nehmen. Die mir auch jetzt die Tränen in die Augen treiben. Hatte ich das Recht, Dich töten zu lassen? War es gar ein letzter Liebesbeweis, wie manche sagen? War es Verrat an unserer Freundschaft? An unserer Liebe? Wäre es nicht besser gewesen, der Natur ihren Lauf zu lassen? Dir die letzten Tage alles zu geben, was Du wolltest? Für Dich da zu sein, Dich zu lieben, zu streicheln? Dich mit allem zu füttern was Du mochtest? Schuldgefühle legen sich wie eine Klammer aus Eis um Herz und Seele. War es wirklich richtig, Dich erlösen zu lassen? Das Einverständnis zur Euthanasie zu geben? Hatte ich das wirklich Recht dazu? Oder war es gar Verrat an allem was uns verband? Was hättest Du gewollt? Du, mein kleiner Freund? Soviel Fragen, die auf der Seele lasten, Schuldgefühle die keine Tränen abwaschen können. Qual, die so frisch ist, wie am ersten Tag. Keine Möglichkeit, Antwort und Ruhe zu finden. Keine Erlösung. Keine Möglichkeit, das Geschehene ungeschehen zu machen. Keine Vergebung für mich selbst. Schuld, mit der ich leben muss... Ich vermisse Dich so unsagbar! Dein Hundepapa
Book of condolence
959 Visits, 1 Comment and 9 Roses
Comments
Lessmann
Comment from 02/08/2016

..... Lese oft ihre Zeilen .... Weil ich mich und mein tun wie auch mein Seelenleben darin wieder finde
Roses

Rosengarten-Sterne Team
On 01/09/2025

Rosengarten-Sterne Team
On 01/09/2024

Rosengarten-Sterne Team
On 01/09/2023

Rosengarten-Sterne Team
On 01/09/2022

Rosengarten-Sterne Team
On 01/09/2021

Rosengarten-Sterne Team
On 01/09/2020